| WBG-Chronik |
Historie |
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Der erste Höhepunkt der großen Wohnungsnot in Deutschlands Industriestädten war im Jahr 1918 erreicht. Der dramatische Mangel an Wohnungen wurde durch Tausende von Kriegsheimkehrern zusätzlich verschärft. Diese wurden in beschlagnahmten Häusern zwangseinquartiert oder mussten ihr Dasein in dunklen, feuchten und überbelegten Unterkünften fristen. In Augsburg wuchs bis Ende der 20er Jahre die Anzahl dringlich wohnungssuchender Bürger in Augsburg auf etwa 10.000 an. Die Kommune reagierte darauf unter anderem mit dem Bau von Großwohnanlagen. 1922 wurde mit dem städtischen Römerhof die erste davon fertig gestellt. Mitte der 20er Jahre konnte die Stadt aufgrund der staatlichen Wohnbauförderungsprogramme den Bau weiterer Anlagen beginnen. Allerdings benötigte die Stadt dazu aufgrund sog. beleihungsrechtlicher Vorschriften eine privatrechtliche Gesellschaft. Am 10. September 1927 nimmt die WBG ihren Geschäftsbetrieb auf. Ziel der Gesellschaft war es, „der minderbemittelten Bevölkerung entsprechende Wohnungen … preiswert zu verschaffen“. Die von der Stadt begonnenen Wohnanlagen werden von der WBG übernommen und fertig gestellt. Bis Ende der 20er Jahre entstehen u.a. der Eschen-, Birken-, Richard-Wagner-, Richard-Strauß-, Zeppelin-, Schubert- oder auch der Ulmenhof.
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Der Anfang der 30er Jahre steht unter dem Einfluss des „Neuen Bauens“, eines Architekturstils, der im Dessauer „Bauhaus“ entwickelt wurde. Gestaltungsprinzipien orientierten sich einerseits an der Zweckmäßigkeit und Funktionalität und andererseits an den besonderen Bedürfnissen des Menschen, u.a. nach Licht und Luft. Mit dem 1931 fertig gestellten Lessinghof entstand nach dem Schuberthof ein weiteres herausragendes Beispiel dieses Architekturstils. Zu Gunsten wachsender Rüstungsausgaben wurde die Finanzierung des Wohnungsbaus durch die öffentliche Hand ab 1935 sukzessive gekürzt. Zudem wurde der Bau von Wohnhöfen und deren Architektur wie der Lessinghof vom NS-Regime als marxistisches Übel diskreditiert. Als ideologische Antwort auf die anhaltende Wohnungsmisere sollten für jeden Arbeiter erschwingliche Volkswohnungen und Selbsthilfeprogramme zum Bau von Siedlerhäusern dienen. Ab Mitte der 30er Jahre entstehen so die Siedlung des Volkes sowie die Bärenkellersiedlung. In den Vordergrund rückt die Versorgung von Mitarbeitern in Betrieben mit Rüstungsaufträgen, im Hochfeld für Mitarbeiter der Bayerischen Flugzeugwerke, später Messerschmitt AG sowie in Lechhausen für Beschäftigte der MAN.
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Der Luftkrieg hatte große Teile Augsburgs in ein Ruinenfeld verwandelt, wobei der Verlust an Wohnraum besonders gravierend war – die Folge war erneut eine Wohnungsnot. In den ersten Nachkriegsjahren führten Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten zudem zu einem enormer Bevölkerungszuwachs. Die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs waren auch für die WBG beträchtlich. Unverzüglich wurde mit der Instandsetzung von Gebäuden begonnen, die noch bewohnbar waren. Die WBG appellierte dabei an ihre Mieter, sich an der Wiederherstellung ihrer Wohnungen durch Eigenhilfe oder selbst beschafftes Material zu beteiligen. Die Beschlagnahmung von rd. 500 Wohnungen durch die US-amerikanische Militärregierung stellte die WBG vor weitere, schier unlösbare Probleme. Am 1. April 1947 begann in der Stadt eine groß angelegte Räumung der Trümmer in den zerstörten Stadtquartieren, die erst Anfang 1950 endgültig abgeschlossen war. Bis 1948 konnte die WBG keinen Neubau errichten. Die Fertigstellung des Brückenhofes (Hochzoll) im Jahr 1949 bedeutete dann die allmähliche Normalisierung, auch wenn dieser Bau noch als Versuchsprojekt gesehen wurde, da er überwiegend aus Trümmermaterial hergestellt wurde.
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Der wirtschaftliche Aufschwung ab 1949 erlaubte der WBG wieder die Inangriffnahme von Neubauprojekten. 1950 beschloss der Bundestag das Erste Wohnungsbaugesetz, das republikweit die Errichtung von 1,8 Millionen Wohnungen innerhalb von sechs Jahren vorsah. Dieses Gesetz förderte so den Wiederaufbau entscheidend. Der Eichenhof in Oberhausen-West wurde 1950 das größte Einzelbauvorhaben im sozialen Wohnungsbau der Nachkriegszeit in Bayern. Nach einer Bauzeit von nur wenig mehr als sechs Monaten wurden die Wohnungen an Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte sowie an bisher in außerordentlich schlechten Wohnungsverhältnissen lebenden Familien vergeben. 1953 war Bezug für die Wohnanlage an der Von-Richthofen-Straße (Hochfeld), die für Jungfamilien konzipiert wurde. Für Augsburgs noch florierende Textilindustrie wurden am Jakober Tor Arbeiterwohnungen errichtet. Die Zahl der Sowjetzonenflüchtlinge, die über Berlin in das Bundesgebiet kamen, wurde immer größer. Im Rahmen eines Sonderbauprogramms wurde 1955 für diese Menschen, mit Mitteln des Bundes und des Bayerischen Staates, die Wohnanlage an der Geisbergstraße (Herrenbach) gebaut. Bis 1958 entstanden rd. 1.400 WBG-Wohnungen im Herrenbach und Bärenkeller. |
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Ende der 50er Jahre bemühte sich die MAN wiederholt um die Durchführung eines größeren Bauprojekts, um Wohnungen für ihre eigenen Arbeiter zu haben. Die WBG unterstützte dieses Vorhaben aufgrund der wesentlichen Bedeutung der MAN für Augsburg. Mit Hilfe der vom Bayerischen Staat gewährten Zins- und Tilgungsbeihilfen kam ab 1958 ein Sonderprogramm für Industriearbeiter in Gang. Die MAN überließ der WBG Baugrundstücke im Erbbaurecht zum Bau der Wohnanlagen MAN I bis IV, die 1960 fertig gestellt waren. In den Jahren 1963/64 entstanden mit dem Rudolf-Diesel-Hof weitere Werkswohnungen für Angestellte und Arbeiter der MAN. Der Kern der Unternehmensentwicklung der WBG war zwar immer der Bau von (öffentlich geförderten) Mietwohnungen, in den 60ern konzentrierte man sich aber auch auf sog. Kaufeigenheime, Kaufanwärterhäuser und Betreuungsbauten. In mehreren Stadtteilen, u.a. im Spickel, in Herrenbach, Hochfeld und Bärenkeller, waren mehrere hundert Eigenheime entstanden, die die WBG im Namen und auf Risiko der privaten Eigentümer gegen Entgelt baute. Ende der 60er Jahre wurde dieses Geschäftsfeld aus Ertragsgründen wieder eingestellt und erst zu Beginn der 90er Jahre wieder aufgenommen.
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Ende der 60er Jahre begannen Planungen, das ehemalige Messerschmitt-Gelände „Alter Flugplatz“ für den Bau einer vielgeschossigen Trabantenstadt mit etwa 12.000 Einwohnern zu nutzen. Als 1970 Augsburg Universitätsstadt werden sollte, wurden die bis dahin entstandenen Pläne in Frage gestellt. Man entschied sich, den Standort der Universität auf das Areal am Alten Flugplatz zu verlegen. Daraufhin entwickelte eine Arbeitsgruppe einen Strukturplan, der die Universität in ein Neubaugebiet integrieren sollte. Dieser Strukturplan wurde zur Grundlage des Bebauungsplans, dessen Vorgabe es war, sich an menschlichen Bedürfnissen und Dimensionen zu orientieren. Grundprinzipien der Planung waren u.a. die Bildung von Wohnhöfen, die Bauhöhenbegrenzung, eine direkte Zuordnung von Garagen zu den Wohngebäuden, Nähe der Spielplätze und sonstiger Erholungsflächen zu den Wohnungen sowie die Anordnung von Flächen des Einzelhandels und der Gastronomie in den Erdgeschossen der Gebäude. Mit dem Univiertel entstand ein Stadtteil, der damals weit ab vom Zentrum einen für die Stadt zentralen und belebenden Inhalt hat – die Universität – und sich damit wesentlich von den Satellitenstädten der damaligen Zeit unterscheidet.
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Die Kernstadt hat nach dem Zweiten Weltkrieg, bedingt durch extrem schnellen und intensiven Wiederaufbau, die wirtschaftliche Entwicklung an sich gezogen. Dagegen dämmerte das einstmalige Handwerkerherz in den Jahrhunderte alten südlichen und östlichen Vorstädten der Stadt vor sich hin. Betriebe schlossen, Häuser verfielen und Infrastrukturmaßnahmen unterblieben. Mit den Ende der 70er Jahre zur Verfügung stehenden neuen Instrumentarien der Städtebauförderung sollte nun eine Revitalisierung der Altstadt erreicht werden. Die WBG als Bauherr erneuerte in dieser Zeit mit viel Eigenkapital große Quartiere. Als Beispiele seien die Wohngebäude Pfärrle/ Lueginsland oder in der Georgenstraße genannt. „Hinter der Metzg“ wurde das Baudenkmal Kapitelhof modernisiert und anschließend daran eine Gebäudegruppe neu gebaut. Das Ulrichsviertel hat in diesen Jahren die wohl umfangreichste Wandlung erfahren. Heute kann man sich nur schwer vorstellen, dass weite Teile der Fläche unbebaut, mit leer stehenden Gewerbenutzungen belegt oder mit teilweise stark heruntergekommener Bausubstanz besetzt waren.
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Die seit 1945 in Augsburg präsenten US-Streitkräfte verließen ab Mitte der 90er Jahre ihren Standort. Die Integration der drei großen Kasernenareale in die westlichen Stadtteile Augsburgs stellte eine neue große Herausforderung dar. Das Bemühen geht seither um ein sinnvolles und bedarfsgerechtes Umnutzungskonzept, das den ortspezifischen Strukturen angemessen ist. Die 1996 ins Leben gerufene WBG-Tochter AGS wurde als Entwicklungsträgerin beauftragt. Die Umwandlung der ehemaligen Flak-Kaserne (Kriegshaber Nord-West) ist gelungen. Neben den attraktiven Eigenheimen auf der Südseite des Geländes sind, getrennt durch einen Park, große Gewerbeflächen entstanden. Damit ist das Ziel, ins Umland abgewanderte Betriebe mit einem attraktiven Angebot zurückzuholen, erreicht worden. Vorrangiges Ziel für die Sheridan-Kaserne (Pfersee) war eine in sich geschlossene Gesamtentwicklung des Augsburger Westens mit stadtnahem Wohnen, Arbeiten und Erholen. Erstmals wurde eine Stadtteilentwicklung nach den Vorgaben der Bürger vom Baureferat umgesetzt. Im Jahre 1996 hat das Amt für Stadtentwicklung und Statistik für die Reese-Kaserne vier Nutzungssäulen vorgestellt: Stadtteilzentrum für den Augsburger Westen, Ort der Kultur, grüne Lunge für den Augsburger Westen und bevorzugtes Wohngebiet zwischen äußerer Innenstadt und Kriegshaber.
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Auf die stetig steigenden Energiekosten und Anforderungen zum Klimaschutz reagiert die WBG mit effizienter Heiz- und Wärmeenergie-einsparung. Bei Modernisierungen wird u.a. auf Vollwärmeschutz an den Fassaden, Fenster mit Wärmeschutzverglasung, gedämmte Speicher- und Kellerdecken Wert gelegt. Heizanlagen werden zusammengefasst und zentral von einem Nahwärmekraftwerk versorgt. Strom und Wärme werden über elektrothermische Anlagen erzeugt. In Augsburg wurde der Stadtteil Oberhausen in das Förderprogramm „Die Soziale Stadt“ mit aufgenommen. Von Mitte der 90er Jahre bis zum Jahr 2008 modernisierte die WBG ihren Bestand in diesem Stadtteil. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass das Konzept, das auch eine Beteiligung der Mieter vorsieht, aufgeht. Nach Abschluss der Arbeiten am Schiller-, Eschen- und Eichenhof wurde ab 2004 die Modernisierung der Gebäude östlich der Donauwörther Straße (sog. Drei-Auen-Quartier) fortgesetzt. Zusätzlich entstanden neue Wohnbauten und mit der Drei-Auen-Schule wurde gleichzeitig ein Bildungszentrum eingerichtet.
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Nachdem die Bewohnerzahl der Gesamtstadt nur noch verhalten wächst, ist die Hauptaufgabe die qualitative Verbesserung des Wohnungsbestandes. Energetische wie wohnwertbezogene Quartiersförderungen binden jährlich rd. 30 Mio. €. Die demografische Veränderung der Bevölkerungsstruktur erfordert insbesondere die Barrierefreiheit des Wohnungsbestandes. |




















